KANTINE backstage

19. März 2009

Herr über hunderte Parkplätze

Filed under: Kantine-Stories — Schlagwörter: , , , — Marcelus @ 11:27

hans-1200x1800.jpg Verirrt man sich eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn in die Kantine, wird man da schon ein bekanntes Gesicht in oranger Warnweste bekleidet antreffen. Egal ob nasskalt oder in sengender Sonne, Hans ist immer vor allen da, um dafür zu sorgen, dass niemand ein Auto mitten auf “seinen” Parkplatz abstellt. Machen wir uns nichts vor, es ist keine Astrophysik, aber es kommt dem schon ganz nahe, was unser Parkplatz-Chef allabendlich treibt, um so vielen Gästen wie möglich einen Parkplatz zu bieten. Im Idealfall stehen die Fahrzeuge dann in Reih und Glied, Tür an Tür.  Manchmal kommt aber alles anders, so kann es schon mal sein, dass ein kräftiger Herr einen noch dickeren Hals vorzuweisen hat und das vor Arbeitsbeginn. Der Auslöser für dieses Stimmungstief ist dann meistens schnell in einem mitten auf dem Platz geparkten Auto gefunden. “Ich habe ein ausgeklügeltes System entwickelt, um die maximale Kapazität auszuschöpfen und wenn mir auch nur einer schlecht parkt, dann kann ich meine Reihen nicht setzten, es ist wie die Ordnung in einem komplexen System.” Wenn Hans das sagt, merke ich wie ernst er seinen Job nimmt. Ich habe mir das System erklären lassen und es auch in den Grundzügen verstanden, aber es gleicht schon einer Kunst. Alle lieben Hans, denn Hans ist ausgestattet mit dem Temperament eines Brauereipferdes und stets gelassen (Ausnahmen bestätigen die Regel), findet immer ein nettes Wort für unsere Gäste und kennt unsere Verantaltungen in- und auswendig. So verwundert es auch nicht, wenn sich hübsche Damen in Stöckelschuhen unterhaken und von ihm zu Auto begleiten lassen oder an regnerischen Tagen unter seinem Schirm Schutz suchen. “Jeder Job hat auch seine guten Seiten, man muss sie nur für sich entdecken”, sagt mir der 56-jährige und kann dabei ein Schmunzeln nicht verbergen.

Die Ordnung in einem komplexen System:

Der Auftrag ist klar: Man bringe so viele Vehikel wie möglich auf einem vorgegebenen Platz unter. Soweit die Theorie. Aber so einfach geht das nicht, das System ist zu komplex und nicht jeder kommt mit einem Smart oder Fiat 500 daher, da ist dann auch schon der ein oder andere SUV dabei und diese PKW sind ja bekanntlich etwas größer. “Am schlimmsten sind Coupés, da sind die Türen dann so ausladend, dass keiner mehr in einer Reihe  aussteigen kann. Coupés, SUV´s, Geländewagen und Kleinbusse kommen grundsätzlich in die Außenplätze, manchmal auch schräg.  Kleinwagen können auch mal unterkommen, wenn eigentlich nichts mehr zu machen ist, das ist häufig bei den starken Veranstaltungen der Fall, wie Silvester, Konzerten oder bei “Tanz in den Mai, ist ja bald wieder! Ach ja und die “Open-Air-Discothek”  bei  schönem Wetter ist eine besondere Herausforderung, weil da Fahrer in ihren besonders schönen Autos gerne mal das große “Schaufahren” absolvieren.” Hans denkt während seiner Schicht irgendwie in anderen Kategorien.

Das Team:

Das Parkplatzteam besteht aus  sechs Mitarbeitern, die sich untereinander abwechseln und ständig in Funkverbindung stehen. “Ich selber bin einer der ersten Stunde und habe den Job schon in der alten Kantine in Nippes gemacht. Interessant ist einfach die Herausforderung, allen einen sicheren Platz zu geben. Abgesehen von ein paar Parkremplern, die nicht ausbleiben, ist auch noch nie etwas passiert. Frauen kommen immer sicher nach Hause.”

“Was mir wichtig ist:”

“Immer wieder erlebe ich es, dass Gäste sich noch unter Alkohol ans Steuer setzen, das ist ja immer grenzwertig, aber häufig noch einigermaßen machbar.  Was uns aber von vielen anderen Discotheken und Konzerthallen unterscheidet ist, dass bei uns jeder Gast ganz problemlos seinen PKW über Nacht stehen lassen kann, wenns mal was mehr war. Da ist auch noch nie etwas passiert. Der Parkplatz wird nicht abgeschlossen und der Gast kann, auch am Wochenende noch seinen Wagen bei uns abholen und über die Ausfahrt hinten herausfahren, jederzeit. Mein persönlicher Tipp an unsere Gäste: Wagen stehen lassen! Einmal bin ich eingeschritten, als ich gesehen habe, dass jemand noch fahren wollte und echt nicht mehr im Stande dazu war. Eigentlich darf ich das ja nicht, aber dem habe ich einfach den Schlüssel abgenommen und in den Shuttlebus gesetzt. Das kommt aber selten vor.”

Shuttlebus im 5-Minuten-Takt:

Ein wenig stolz sind wir schon auf unseren Shuttlebus, denn was man sonst nur aus südlichen Urlaubsdestinationen kennt, ist bei uns schon seit Jahren im Einsatz. Bis 3 Uhr nachts fährt der Bus zu jeder Party von der Kantine  zur Bahnhaltestelle Wilhelm-Sollmann-Str., die Euch mit der Linie 12 und 15 Richtung Ebertplatz/Hauptbahnhof bringt. Der Bus pendelt ständig im 5-Minuten-Takt zwischen der Kantine und der Haltestelle, so dass keiner unserer Gäste lange warten muss.

Die Ausrüstung:

Starke Nerven, eine orange Warnweste, eine Taschenlampe mit Leuchtkegel und ein Funkgerät gehören zu den wichtigsten Dingen, die man in diesem Job braucht.

Die Philosophie:

“Jeder bekommt seinen Platz, jeder!”

3. März 2009

Jack Bruce, Robin Trower, Gary Husband – eine Handvoll Fotos

Filed under: Bilder,Konzertberichte,Leserbriefe — Schlagwörter: , , — KANTINE-Team @ 13:28

Erreichte uns per E-Mail. Danke an Peter. Das Kantine-Team…

Hallo aus Oberhausen!

Die Fotos könnt ihr unter euren Konzertfotos platzieren, habe ein paar hundert gemacht, war ein Klasse Konzert. Betrüblich nur: Jack`s Gesundheitszustand, so zumindest mein Eindruck, ist nicht mehr der allerbeste. Ich bin froh nochmal dabeigewesen zu sein… (heute abend in holland nochmal…?)

Gruß Peter!

2. März 2009

Manche nehmen ein Taxi, Werner das Flugzeug

Filed under: Kantine-Gäste — Schlagwörter: , , — Marcelus @ 00:18

Stammgast Werner Dickes Jeder fünfte Bundesbürger träumt vom Auswandern! 1991 waren es noch rund 99.000 Menschen, die ihren Erstwohnsitz gegen ein Domizil im Ausland eingetauscht haben. 2007 war ein Rekordjahr mit 165.000 Deutschen, die ihr Glück im Ausland versucht haben. Werner Dickes ist ne “kölsche Jung”, der nach Norwegen ausgewandert ist und dennoch der Kantine die Treue hält. Man kann die Uhr danach stellen – Jeden Monat gehts mit dem Flugzeug von Oslo nach Köln und dann auf dem direkten Weg in die Kantine, um freitags und samstags abzutanzen! Gibts in Oslo keine Discotheken?

Zugegeben, ich habe auch schon das ein oder andere Mal reingezappt, um mir “Goodbye Deutschland” anzuschauen und muss sagen, dass es immer wieder interessant ist, wie einige es schaffen im Ausland zu arbeiten. Unser Stammgast auf Abwegen hält uns dennoch die Treue. “Ich kenne die Kantine noch aus alten Zeiten in Nippes. Jetzt komme ich einmal im Monat mit dem Flieger von Oslo nach Köln, um freitags und samstags zu feiern. Eine Zeit lang bin ich der Liebe wegen sogar alle zwei bis drei Wochen in die Kantine gekommen”, teilte mir Werner mit. Er kennt mittlerweile viele Leute von den Wochenenden, die sich freuen ihn einmal im Monat zu sehen. Die Flugverbindungen seien gut und auch die Ticketpreise mit 100 bis 140 Euro für den Hin- und Rückflug erträglich. Eine ganze Zeit lang ist er an den Wochenenden bei Freunden in Köln untergekommen, aber das kommt jetzt nur noch ab und zu vor. Jetzt sucht er sich vorzugsweise Pensionen, die “kantinennah” sein müssen!

Seit 2004 hat es den Kölner wegen eines interessanten Jobangebots nach Norwegen verschlagen, wo er in seinem Beruf als Zimmermann arbeitet. Genauer gesagt lebt er dort auf einer Insel im westlichen Teil des Oslo-Fjörds. “Eigentlich ist es eine ehemalige Pirateninsel, aber wenn ich das sage, ernte ich nur ungläubige Blicke”, sagte mir der Wahlnorweger. Eigentlich wollte Werner schon immer im Ausland arbeiten, bis ihm der Zufall zur Hilfe kam und er jemanden kennenlernte, der ihm von einer Agentur erzählte die Handwerker ins Ausland vermitteln. Kurze Zeit später fand er sich mit vier Taschen in Kiel wieder und es ging auf dem direkten Weg nach Norwegen. Das erste Jahr lebte er in einer WG mit Leuten zusammen, die wie er den Einstieg in die Arbeitswelt Norwegens wagten. Mittlerweile ist er richtig angekommen und wohnt auf seiner Trauminsel.

Prominente Nachbarn teilen sich ebenfalls die Insel mit unserem Gast und im gleichen Haus im Fjörd wohnt Anita Hegerland, die früher mit Roy Black im Duett gesungen hat:”Schön ist es auf der Welt zu sein”. “So kann es auch mal sein, dass man den Sänger von A-HA, der ebenfalls die Insel bewohnt, in Jogginghose beim Bäcker trifft”, so Werner.

Am letzten Wochenende traf ich Werner und seinen Freund Heinzi aus Meck.pomm., der ebenfalls mit ihm in Norwegen arbeitet und am Wochenende auch nichts vorhatte. Jetzt weiß ich warum TV-Formate á la “Goodbye Deutschland” so erfolgreich sind. Wie ich finde, brauchen wir mehr solcher Gäste!

Also, wenn Ihr auch einen weiten oder auch ungewöhnlichen Anfahrtweg habt oder Mühen auf Euch nehmt, um zu uns zu kommen, dann lassen wir uns auch nicht lumpen und prämieren originelle Einsendungen mit Freikarten und Freidrinks.

Eine schöne Woche,
Euer Backstagereporter

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