Verirrt man sich eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn in die Kantine, wird man da schon ein bekanntes Gesicht in oranger Warnweste bekleidet antreffen. Egal ob nasskalt oder in sengender Sonne, Hans ist immer vor allen da, um dafür zu sorgen, dass niemand ein Auto mitten auf “seinen” Parkplatz abstellt. Machen wir uns nichts vor, es ist keine Astrophysik, aber es kommt dem schon ganz nahe, was unser Parkplatz-Chef allabendlich treibt, um so vielen Gästen wie möglich einen Parkplatz zu bieten. Im Idealfall stehen die Fahrzeuge dann in Reih und Glied, Tür an Tür. Manchmal kommt aber alles anders, so kann es schon mal sein, dass ein kräftiger Herr einen noch dickeren Hals vorzuweisen hat und das vor Arbeitsbeginn. Der Auslöser für dieses Stimmungstief ist dann meistens schnell in einem mitten auf dem Platz geparkten Auto gefunden. “Ich habe ein ausgeklügeltes System entwickelt, um die maximale Kapazität auszuschöpfen und wenn mir auch nur einer schlecht parkt, dann kann ich meine Reihen nicht setzten, es ist wie die Ordnung in einem komplexen System.” Wenn Hans das sagt, merke ich wie ernst er seinen Job nimmt. Ich habe mir das System erklären lassen und es auch in den Grundzügen verstanden, aber es gleicht schon einer Kunst. Alle lieben Hans, denn Hans ist ausgestattet mit dem Temperament eines Brauereipferdes und stets gelassen (Ausnahmen bestätigen die Regel), findet immer ein nettes Wort für unsere Gäste und kennt unsere Verantaltungen in- und auswendig. So verwundert es auch nicht, wenn sich hübsche Damen in Stöckelschuhen unterhaken und von ihm zu Auto begleiten lassen oder an regnerischen Tagen unter seinem Schirm Schutz suchen. “Jeder Job hat auch seine guten Seiten, man muss sie nur für sich entdecken”, sagt mir der 56-jährige und kann dabei ein Schmunzeln nicht verbergen.
Die Ordnung in einem komplexen System:
Der Auftrag ist klar: Man bringe so viele Vehikel wie möglich auf einem vorgegebenen Platz unter. Soweit die Theorie. Aber so einfach geht das nicht, das System ist zu komplex und nicht jeder kommt mit einem Smart oder Fiat 500 daher, da ist dann auch schon der ein oder andere SUV dabei und diese PKW sind ja bekanntlich etwas größer. “Am schlimmsten sind Coupés, da sind die Türen dann so ausladend, dass keiner mehr in einer Reihe aussteigen kann. Coupés, SUV´s, Geländewagen und Kleinbusse kommen grundsätzlich in die Außenplätze, manchmal auch schräg. Kleinwagen können auch mal unterkommen, wenn eigentlich nichts mehr zu machen ist, das ist häufig bei den starken Veranstaltungen der Fall, wie Silvester, Konzerten oder bei “Tanz in den Mai, ist ja bald wieder! Ach ja und die “Open-Air-Discothek” bei schönem Wetter ist eine besondere Herausforderung, weil da Fahrer in ihren besonders schönen Autos gerne mal das große “Schaufahren” absolvieren.” Hans denkt während seiner Schicht irgendwie in anderen Kategorien.
Das Team:
Das Parkplatzteam besteht aus sechs Mitarbeitern, die sich untereinander abwechseln und ständig in Funkverbindung stehen. “Ich selber bin einer der ersten Stunde und habe den Job schon in der alten Kantine in Nippes gemacht. Interessant ist einfach die Herausforderung, allen einen sicheren Platz zu geben. Abgesehen von ein paar Parkremplern, die nicht ausbleiben, ist auch noch nie etwas passiert. Frauen kommen immer sicher nach Hause.”
“Was mir wichtig ist:”
“Immer wieder erlebe ich es, dass Gäste sich noch unter Alkohol ans Steuer setzen, das ist ja immer grenzwertig, aber häufig noch einigermaßen machbar. Was uns aber von vielen anderen Discotheken und Konzerthallen unterscheidet ist, dass bei uns jeder Gast ganz problemlos seinen PKW über Nacht stehen lassen kann, wenns mal was mehr war. Da ist auch noch nie etwas passiert. Der Parkplatz wird nicht abgeschlossen und der Gast kann, auch am Wochenende noch seinen Wagen bei uns abholen und über die Ausfahrt hinten herausfahren, jederzeit. Mein persönlicher Tipp an unsere Gäste: Wagen stehen lassen! Einmal bin ich eingeschritten, als ich gesehen habe, dass jemand noch fahren wollte und echt nicht mehr im Stande dazu war. Eigentlich darf ich das ja nicht, aber dem habe ich einfach den Schlüssel abgenommen und in den Shuttlebus gesetzt. Das kommt aber selten vor.”
Shuttlebus im 5-Minuten-Takt:
Ein wenig stolz sind wir schon auf unseren Shuttlebus, denn was man sonst nur aus südlichen Urlaubsdestinationen kennt, ist bei uns schon seit Jahren im Einsatz. Bis 3 Uhr nachts fährt der Bus zu jeder Party von der Kantine zur Bahnhaltestelle Wilhelm-Sollmann-Str., die Euch mit der Linie 12 und 15 Richtung Ebertplatz/Hauptbahnhof bringt. Der Bus pendelt ständig im 5-Minuten-Takt zwischen der Kantine und der Haltestelle, so dass keiner unserer Gäste lange warten muss.
Die Ausrüstung:
Starke Nerven, eine orange Warnweste, eine Taschenlampe mit Leuchtkegel und ein Funkgerät gehören zu den wichtigsten Dingen, die man in diesem Job braucht.
Die Philosophie:
“Jeder bekommt seinen Platz, jeder!”