KANTINE backstage

2. März 2009

Manche nehmen ein Taxi, Werner das Flugzeug

Abgelegt unter: Kantine-Gäste — Schlagwörter:, , — Marcelus @ 00:18

Stammgast Werner Dickes Jeder fünfte Bundesbürger träumt vom Auswandern! 1991 waren es noch rund 99.000 Menschen, die ihren Erstwohnsitz gegen ein Domizil im Ausland eingetauscht haben. 2007 war ein Rekordjahr mit 165.000 Deutschen, die ihr Glück im Ausland versucht haben. Werner Dickes ist ne “kölsche Jung”, der nach Norwegen ausgewandert ist und dennoch der Kantine die Treue hält. Man kann die Uhr danach stellen – Jeden Monat gehts mit dem Flugzeug von Oslo nach Köln und dann auf dem direkten Weg in die Kantine, um freitags und samstags abzutanzen! Gibts in Oslo keine Discotheken?

Zugegeben, ich habe auch schon das ein oder andere Mal reingezappt, um mir “Goodbye Deutschland” anzuschauen und muss sagen, dass es immer wieder interessant ist, wie einige es schaffen im Ausland zu arbeiten. Unser Stammgast auf Abwegen hält uns dennoch die Treue. “Ich kenne die Kantine noch aus alten Zeiten in Nippes. Jetzt komme ich einmal im Monat mit dem Flieger von Oslo nach Köln, um freitags und samstags zu feiern. Eine Zeit lang bin ich der Liebe wegen sogar alle zwei bis drei Wochen in die Kantine gekommen”, teilte mir Werner mit. Er kennt mittlerweile viele Leute von den Wochenenden, die sich freuen ihn einmal im Monat zu sehen. Die Flugverbindungen seien gut und auch die Ticketpreise mit 100 bis 140 Euro für den Hin- und Rückflug erträglich. Eine ganze Zeit lang ist er an den Wochenenden bei Freunden in Köln untergekommen, aber das kommt jetzt nur noch ab und zu vor. Jetzt sucht er sich vorzugsweise Pensionen, die “kantinennah” sein müssen!

Seit 2004 hat es den Kölner wegen eines interessanten Jobangebots nach Norwegen verschlagen, wo er in seinem Beruf als Zimmermann arbeitet. Genauer gesagt lebt er dort auf einer Insel im westlichen Teil des Oslo-Fjörds. “Eigentlich ist es eine ehemalige Pirateninsel, aber wenn ich das sage, ernte ich nur ungläubige Blicke”, sagte mir der Wahlnorweger. Eigentlich wollte Werner schon immer im Ausland arbeiten, bis ihm der Zufall zur Hilfe kam und er jemanden kennenlernte, der ihm von einer Agentur erzählte die Handwerker ins Ausland vermitteln. Kurze Zeit später fand er sich mit vier Taschen in Kiel wieder und es ging auf dem direkten Weg nach Norwegen. Das erste Jahr lebte er in einer WG mit Leuten zusammen, die wie er den Einstieg in die Arbeitswelt Norwegens wagten. Mittlerweile ist er richtig angekommen und wohnt auf seiner Trauminsel.

Prominente Nachbarn teilen sich ebenfalls die Insel mit unserem Gast und im gleichen Haus im Fjörd wohnt Anita Hegerland, die früher mit Roy Black im Duett gesungen hat:”Schön ist es auf der Welt zu sein”. “So kann es auch mal sein, dass man den Sänger von A-HA, der ebenfalls die Insel bewohnt, in Jogginghose beim Bäcker trifft”, so Werner.

Am letzten Wochenende traf ich Werner und seinen Freund Heinzi aus Meck.pomm., der ebenfalls mit ihm in Norwegen arbeitet und am Wochenende auch nichts vorhatte. Jetzt weiß ich warum TV-Formate á la “Goodbye Deutschland” so erfolgreich sind. Wie ich finde, brauchen wir mehr solcher Gäste!

Also, wenn Ihr auch einen weiten oder auch ungewöhnlichen Anfahrtweg habt oder Mühen auf Euch nehmt, um zu uns zu kommen, dann lassen wir uns auch nicht lumpen und prämieren originelle Einsendungen mit Freikarten und Freidrinks.

Eine schöne Woche,
Euer Backstagereporter

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