KANTINE backstage

27. Januar 2009

DIE BAND AYABIE – Wie die Japaner den Einlass regeln…

Filed under: Kantine-Stories — Schlagwörter: , , , , , — Marcelus @ 00:37

Die Band AYABIE
Wie die Japaner den Einlass regeln

Einige Gäste der Freitagsparty „Best of Generation“ trauten eines freitagnachts 2008 ihren Augen nicht mehr, denn Teenies campierten auf dem Kantinengelände, um schon drei Tage vor Konzertbeginn der japanischen Band „Ayabie“ ihren Idolen ganz nah zu sein. Wie man einer Band nah sein kann, die irgendwo in Europa spielt und erst Sonntag anreist, soll mir mal einer erklären. Mit dieser Fragestellung im Gepäck, ließ ich es mir nicht nehmen der Sache auf den Grund zu gehen und ich habe fünf Hardcorefans interviewt. Dabei kam heraus, dass ich keine Ahnung habe was da aus Nippon auf uns zukommt. Damit bin ich jedoch nicht alleine, was mich einigermaßen beruhigt, denn ich dachte, dass mir in Sachen Musik  nichts vorzumachen ist. Weit gefehlt.

Es ist mehr als nur Musik und fantasievolles Outfit. Ayabie, die Band aus Japan, ist eine der Combos, die J-Rock machen – Japanese Rock.

Überwiegend Mädels, im Alter zwischen 16 bis 20 Jahren in extravaganter, zum Teil selbstgenähter Kleidung waren angereist. Hätte man Mangas lebendig gemacht, wäre die Kantine der Schauplatz dafür. Was keiner der Kollegen bis dato kannte war die Disziplin, die beim Einlass herrschte.

Das Einlass-Szenario:

free-hugs1-900-x-600_0.jpg Japan, bekannt für seine Disziplin, stand hier auch wieder Pate.
“Die Tickets in Japan sind immer durchnummeriert“, erzählt mir auf Nachfrage dann die 20-jährige Norah aus Velbert.
Sophia aus Bautzen ist hingegen acht Stunden mit dem Zug angereist und hat sich auch schon zwei Nächte um die Ohren geschlagen. Unser Ticketsytem kennt vorwiegend die Einteilung in Steh- und Sitzplätze und das wars. Wer zuerst kommt, der ergattert die vordersten Plätze beim Einlass und ist dann meistens auch als erster an der Frontlinie, ganz nah bei seinen Stars. So läuft das bei uns und in der gesamten angelsächsischen Musikwelt. Japan ist ganz anders!
Die J-Rock Fans machen das auch ganz anders, so auf die japanische Art: Der Fan, der zuerst anreist malt sich mit einem Textmarker eine Nummer 1 auf den Handrücken und trägt dafür Sorge, dass der Nächste eine 2 bekommt und so weiter. Das System funktioniert!! Unglaublich. Wir sind schon an einfacheren Dingen gescheitert. Die Mädels machen es. So kam es, dass meine fünf Ayabie-Fans die Nummern ab 13 hatten.

Die Zahl 22 hat für Norah eine ganz besondere Bedeutung: „ Beim Konzert der J-Rock Band Miyaviein in Bonn habe ich mir 22 Rippen gequetscht, weil ich vor der Bühne eingekesselt war“, sagt Norah voller Stolz und bekräftigt, dass ihr das Erlebnis jede einzelne Rippe wert war! Fabienne aus Duisburg hält mir im Interview ein Schild vor dir Nase auf dem „Free hugs“ steht. FREE HUGS heißt Umarmungen gratis!
Fabienne  erklärt mir dann auch, was es damit auf sich hat. Im sonst so emotionsarmen Japan, in dem Gefühle zeigen nicht üblich ist, versammelt sich die Visual-Kei-Jugend auf der Harajuku-Bridge um eine Gegenströmung zum sonst so emotionslosen Japan zu bilden und lädt jeden Passanten zu einer Gratis-Umarmung ein. Irgendwie gefällt mir das und eh ich mich versehe, bekomme ich fünf Gratisumarmungen von verschiedenen Menschen. Wenn etwas cool ist, dann das! Besonders wertvoll war hierbei die Erkenntnis, dass körpereigene Botenstoffe erst nach einer 40-sekündigen Umarmung freigestetzt werden. 40 Sekunden können verdammt lang werden, wenn man einen völlig fremden Menschen umarmt!

In diesem Sinne.
Bis bald,
Euer Backstagereporter Marcelus Lachhein

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